Adjö Sverige!

Die letzten Verabschiedungen sind überwunden, die Taschen gepackt, das Busticket sicher und dennoch griffbereit verstaut, der letzte Alkohol im Schrank vernichtet und der Putzlappen geschwungen. In ein paar Stunden steige ich in den Bus nach Süden. Gerade noch rechtzeitig, bevor am 19. Juni ganz Schweden wegen der Hochzeit von Prinzesschen Viktoria und Muckibuden-Daniel am Rad dreht.
10 Monate Schweden gehen damit heute zu Ende. Es gab viel Heiteres und Spannendes. Es gab Licht und Schatten. Und es gibt ein Leben nach Erasmus – schade, oder auch nicht.
Mein Sommer wird von einigen Wiedersehen und einem spannenden Praktikum bestimmt sein. Im Oktober wird dann nach deutschen Regeln weiter studiert. Adjö Sverige! Vi ses!

Von Kirchen, Pfannkuchen und Fossilien

So, vorletzte Meldung aus Schweden!

Sind Freitag Nacht gut in Göteborg angekommen. War eine schöne Woche auf der Insel Gotland, in der wir viele viele Kilometer per Drahtesel und Mietwagen zurückgelegt haben. Wann immer ihr auf die Idee kommt, dieses hübsche Fleckchen Erde zu besuchen: unbedingt machen! Ist jede Reise wert!
Zum Einen, weil die Insel nur so strotzt vor Historie. Und diese reicht gut 400 Millionen Jahre zurück. Damals lag das heute Gotland ganz in der Nähe des Äquators – als Korallenriff in einem tropischen Meer. Durch Kontinentalverschiebungen etc. trat dieses Riff dann schließlich in seiner versteinerten Form dort wieder auf, wo Gotland heute liegt. Demzufolge unterscheidet sich die Gesteinsstruktur (Kalk) grundsätzlich vom Rest Schwedens (Granit und so) und strotzt nur so von urzeitlichen Fossilien. Die liegen einfach am Strand rum und warten darauf, entdeckt und mitgenommen zu werden. Gesagt, getan.
Außerdem gibt es dort ungewöhnlich viele Kirchen auf relativ beschränktem Raum. Ganze 92 an der Zahl, jeder alte Pfarrbezirk hat seine eigene. Und das Beste: alle wurden etwa zwischen 1100 und 1350 gebaut, sind also original mittelalterlich. Dass so viele Kirchen in dieser Zeit gebaut wurden, hängt mit dem Wohlstand zusammen, der damals auf der Insel herrschte. Dass die Kirchen immer noch so dastehen und nicht etwa abgerissen oder modernisiert wurden, liegt daran, dass es irgendwann mal (kriegsbedingt) vorbei war mit dem schönen Leben und man nicht mal das Geld hatte, um die alten Gemäuer abzureißen. Die Zeit steht seitdem sozusagen still. Deshalb kann man sich heute noch über toll erhaltene Fresken und Buntglasfenster freuen. Visby, die einzige Stadt auf der Insel, haben wir natürlich gleich als erstes erkundet und waren angetan vom mittelalterlichen Flair der Altstadt und ihrer überschaubaren Größe. Schon alleine dieser Stadt wegen sollte man den Trip wagen. Gerade für jemanden wie mich, für den der Grundsatz gilt „Je älter, desto interessanter“, war es ein besonderer Schmaus! Ebenfalls schmackhaft ist die Spezialität der Insel: Safranpfannkuchen mit Waldbeermarmelade und Sahne!
Nicht so lecker: mein letzter Tag auf der Insel. Hab mir nämlich am letzten Abend schön den Magen am Nudelsalat verdorben und so stand der folgende Freitag im Zeichen von Kniefällen vorm Klo, Flitzekacke und Siechtum im Auto aufm Weg nach Göteborg. Hat mich das ganze Wochenende beschäftigt. Jetzt gehts allerdings schon wieder. Die Seuche verbreitet sich übrigens gerade hier im Haus. Gut, dass ich morgen abreise ;-)

Idag är det nationaldagen!

Heute ist schwedischer Nationalfeiertag!
Zum Hintergrund: am 6. Juni 1523 wurde Gustav Eriksson Vasa zum schwedischen König gewählt und begründete damit den Beginn der Vasa-Dynastie. Er regierte 37 Jahre lang und hinterließ einen mächtigen, zentralisierten Nationalstaat. Gleichzeitig bedeutete die Wahl Gustav Vasas das Ende der Kalmarer Union, der Vereinigung der Königreiche Dänemark, Schweden und Norwegen unter einer Krone. Seither ist Schweden ein eigenständiger Staat.
Der 6. Juni ist, genau wie der 3. Oktober in Deutschland, ein arbeitsfreier Feiertag – wenn auch erst seit 2005. Dumm nur, dass heute eh Sonntag ist ;-)

Zu diesem Anlass:

9 Tage lang Besuch

So, das letzte Paper meines Studienaufenthaltes hier in Schweden ist geschrieben und abgeschickt. Nun hab ich auch endlich mal wieder Zeit, mich mehr dem Web 2.0 zu widmen.
Wie ich ja bereits im letzten Beitrag erwähnt habe, hat sich für die letzten Tage hier in Schweden nochmals Besuch angekündigt.
Zunächst ist die gute Tati hier am 22. Mai aufgeschlagen und ganze 5 Tage geblieben. Neben dem üblichen Stadtrundgang und allem anderen, was man mit seinen Gästen hier so macht, gab’s diesmal ein paar Extra-Schmankerl – von denen auch ich profitiert habe. Zum Einen hatte es das Wetter zum ersten Mal seit langer Zeit wieder erlaubt, an den Stora Delsjön zu fahren. Gemeinsam mit einigen anderen Sonnenfreunden haben wir uns da ’nen schönen Tag am See gemacht. Zweites Schmankerl: der Ausflug zur Seefestung Nya Älvsborg in der Hafenmündung Göteborgs. Wenn auch ein bisschen teuer, hat es sich dennoch gelohnt. Erinnerungen an die viel imposantere Soumenlinna-Festung vor Helsinki kamen wieder hoch – auch wenn hier diesmal nicht die Russen, sondern die Dänen in Schach gehalten werden sollten. Aus historischer Perspektive betrachtet war zwar beides letztendlich erfolglos, aber naja.

Zwei Tage später kam Muttern eingeflogen, mit der ich dann auch noch ein paar Attraktionen wahrgenommen habe, die ich sonst alleine wohl nicht mehr gemacht hätte: Sightseeing-Bootstour, Riesenrad, Botanischer Garten. Im Anschluss haben wir uns noch zwei tolle Tage in Stockholm gemacht. Auch hier kam ich in den Genuss einiger mir bisher unbekannten Sehenswürdigkeiten. Gut, dass wir all das noch gemeinsam gemacht haben! Es hat sich gelohnt – nicht nur, weil Mutti alles bezahlt! :)

So, jetzt heißt es für’s Wochenende „Party hier, Party da“ und am Montag geht’s mit ’nem Mietwagen für 4 Nächte rüber nach Gotland. Vi ses!

Das Ende naht

Gestern habe ich nun endlich Art und Zeitpunkt meiner Rückreise nach Deutschland festgezurrt. Am 15. Juni geht’s los mitm Bus südwärts in die Heimat. Das bedeutet natürlich auch, dass nun meine Tage hier in Schwedenland gezählt sind. Ein bisschen Wehmut kommt auf, doch die nächsten Tage und Wochen werden mich sicher bei Laune halten. Mehr dazu gibt’s aber später zu lesen.
Der Auftakt war eigentlich schon letzten Samstag, als ich hier auf meiner ersten und einzigen Svartklubben-Party war. Generell habe ich es ja aufgegeben, hier über jede Party zu berichten, auf der ich war. Zum Einen ist das, finde ich, weniger interessant und zum Zweiten würden sich die Einträge ständig wiederholen – Langeweile käme auf. Von der Samstagsfete lohnt es sich aber zu berichten. Svartklubben heißt übersetzt „Schwarzklub“ und meint eine Partyreihe, die in unregelmäßigen Abständen und höchst unterschiedlichen Locations stattfindet und im Grunde genommen illegal ist, weil niemand keine Ausschanklizenz für Alkohol besitzt und trotzdem allerhand günstige Getränke über die Theke gehen. Vermutlich ebenfalls unerlaubt waren die Lautstärke und die Öffnungszeiten (22-6 Uhr). Wann und wo die nächste Party stattfindet, erfährt der geneigte Partygänger mehr oder weniger ausführlich über Mundpropaganda. Stattgefunden hat das Ganze dieses Mal in einem Lagerhaus im Gewerbegebiet und geboten wurden Dancehall, Drum‘n'Bass, Dubstep und Electro. Um es kurz zu machen: es war der Hammer. Auch Hammer: der Rückweg. Weil kein Bus mehr fuhr und das Gewerbegebiet naturgemäß NICHT in der Innenstadt liegt, musste ich mich einem langen Fußmarsch stellen.
Ansonsten war die Woche wie gewöhnlich strukturiert: Ping-Pong-Party am Montag in der Pusterviksbaren, Handelspub am Mittwoch. Morgen gehts auch wieder irgendwo hin und dann steht am Samstag das nächste Event aufm Plan: Tati kommt zu Besuch! Zeitgleich findet hier in Olofshöjd das jährliche gleichnamige Festival statt: 7 Bands, Barbeque und Sonnenschein. Ich freu mich!
Apropos Sonnenschein: der Sommer naht mit großen Schritten. Tolles Wetter, tolle Temperaturen, tolle Mädels. Haben übrigens bei uns im Haus das Dach, das man vom Küchenfenster aus betreten kann, als Ess- und Sonnenplatz für uns entdeckt. Hab im Moment leider kein Foto davon; sollte noch eins entstehen, gibt’s das hier bald zu sehen.